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Mitgefühl und Selbstschutz: Warum das Zulassen von Mitgefühl uns stärken kann

Mitgefühl zu zeigen, kann eine Herausforderung sein. Nicht nur, weil wir unsere eigenen Probleme bewältigen müssen, sondern auch, weil es uns emotional stark fordern kann, uns mit dem Leid anderer auseinanderzusetzen.


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Manche Menschen entscheiden sich deshalb, belastende Situationen oder Personen zu meiden. Doch ist diese Strategie wirklich der beste Weg, um psychisch gesund zu bleiben?


Die Last des Mitgefühls


„Mitgefühl ist die Motivation, aufmerksam und sensibel gegenüber Leiden zu sein“, erklärt die Psychologin Marcela Matos. Und dennoch: Wer anderen helfen will, stößt oft an Grenzen. Ob es die schockierenden Berichte über Kriege, Naturkatastrophen oder Armut sind, die Menschen, die uns im Alltag um Kleingeld für Nahrung bitten, oder sogar enge Bekannte, die durch Alkohol oder Ängste keinen Ausweg mehr finden – das Leid der Welt scheint unendlich.


Unsere Möglichkeiten, aktiv etwas zu verändern, wirken dabei oft gering. So fällt es leicht, sich emotional abzugrenzen, um den eigenen Schmerz zu minimieren und nicht von Trauer oder Mitgefühl überwältigt zu werden. Doch ist dies wirklich eine nachhaltige Lösung?


Abgrenzung: Schutz oder Belastung?


Eine internationale Studie der Universität Coimbra unter der Leitung von Marcela Matos zeigt, dass das bewusste Zurückhalten von Mitgefühl nicht unbedingt gesund ist. Während der Coronapandemie wurden rund 4.000 Menschen aus verschiedenen Ländern befragt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Personen, die Mitgefühl meiden, eher zu psychischen Belastungen wie Ängsten, Depressionen oder Stress neigen.


Das Zurückhalten von Mitgefühl könnte also weniger ein Schutzmechanismus sein, sondern vielmehr eine Ursache für innere Spannungen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass Mitgefühl unser parasympathisches Nervensystem aktiviert, welches für Entspannung und Stressabbau verantwortlich ist. Wer sich von Mitgefühl abkoppelt, könnte auf diese wertvolle Quelle von innerer Ruhe verzichten.


Was die Wissenschaft über Mitgefühl sagt


Weitere Forschungen bestätigen, dass Mitgefühl sowohl dem Empfänger als auch dem Geber zugutekommt. Durch gezieltes Training von Mitgefühl wird nachweislich unser Stresslevel gesenkt, und wir finden schneller zu einem Zustand der Ruhe zurück. Die Bereitschaft, Leid wahrzunehmen und darauf zu reagieren, scheint ein wesentlicher Faktor für unsere psychische Widerstandsfähigkeit zu sein.


Gesunde Abgrenzung: Eine Frage der Balance


Was können wir tun, wenn uns das Leid der Welt zu viel erscheint? Die Antwort liegt vielleicht weniger darin, Grenzen zu ziehen, als vielmehr darin, diese bewusst zu erkennen. Es geht darum, ein ausgewogenes Maß an Mitgefühl zu entwickeln.


Das bedeutet nicht, sich dauerhaft von allem Leid berühren zu lassen. Vielmehr könnten wir darauf vertrauen, dass wir spüren, wann es genug ist, und lernen, in solchen Momenten für uns selbst zu sorgen. Indem wir anerkennen, dass Mitgefühl ein natürlicher Teil unseres emotionalen Spektrums ist, können wir es auch als Ressource nutzen. Es erinnert uns daran, dass wir als soziale Wesen nicht nur fähig sind, miteinander zu leben, sondern auch, gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen.

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