Streit um Telemedizin: Bayerische Regierung verbietet digitale Beratung bei Schwangerschaftsabbrüchen
- Redaktion Mittagsmagazin
- 10. Dez. 2024
- 1 Min. Lesezeit
Die bayerische Landesregierung hat beschlossen, die Möglichkeit der Telemedizin bei Beratungsgesprächen zu Schwangerschaftsabbrüchen aus dem Gesundheitsdienstgesetz zu entfernen. Mehr dazu jetzt in den "Besser Leben News".
Dies bedeutet, dass Ärztinnen und Ärzte künftig keine Abtreibungsberatungen per Videoanruf oder ähnliche digitale Kanäle durchführen dürfen.
Sicherheitsbedenken und Missbrauchsgefahr
Bernhard Seidenath, gesundheitspolitischer Sprecher der CSU, begründet diesen Schritt mit möglichen Risiken der Manipulation: „Es gibt Berichte, dass einige Ärztinnen und Ärzte Schwangerschaftsabbrüche telemedizinisch betreuen und dabei lediglich digital übermittelte Ultraschallbilder nutzen, um das Alter des Fötus zu bestimmen. Es ist nicht gewährleistet, dass diese Aufnahmen tatsächlich von der betreffenden Schwangeren stammen. Solche digitalen Bilder können leicht manipuliert werden.“
Kritik von Opposition und Verbänden
Oppositionelle Parteien wie die Grünen und die SPD üben scharfe Kritik an der Entscheidung. Laura Weber von den Grünen verweist auf die schwierige Lage vieler Frauen im Freistaat: „In Bayern müssen Frauen teilweise über 200 Kilometer fahren, um eine Praxis zu erreichen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführt. CSU und Freie Wähler verschärfen mit ihrem Vorgehen die ohnehin problematische Versorgungslage, besonders in ländlichen Regionen.“ Die SPD bezeichnete die Entscheidung als „Schikane“ und warf der Regierung vor, Frauen und Ärzten pauschal Misstrauen entgegenzubringen.
Rechtlicher Rahmen in Deutschland
In Deutschland sind Schwangerschaftsabbrüche straffrei, sofern sie innerhalb der ersten zwölf Wochen erfolgen. Voraussetzung ist jedoch eine verpflichtende Beratung und eine anschließende Bedenkzeit, bevor der Eingriff durchgeführt werden darf. Die Nutzung telemedizinischer Lösungen könnte insbesondere in strukturschwachen Regionen eine wichtige Unterstützung darstellen – ein Aspekt, der in der aktuellen Debatte weiterhin umstritten bleibt.