Ehe im Wandel: Warum immer mehr Menschen auf das Jawort verzichten
- Redaktion Mittagsmagazin
- 4. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Immer weniger Menschen geben sich das Jawort – was bedeutet das für unsere Gesellschaft? Mehr dazu jetzt in den "Besser Leben News".
Verheiratet? Nur noch die Hälfte
Die Ehe verliert in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Laut dem Statistischen Bundesamt ist nur noch jeder zweite Erwachsene verheiratet – der niedrigste Stand der letzten drei Jahrzehnte. Insgesamt stehen etwa 35 Millionen Verheirateten eine fast ebenso große Gruppe an Ledigen (23 Millionen), Geschiedenen (7 Millionen) und Verwitweten (5 Millionen) gegenüber.
Während die Zahl der Verwitweten und Geschiedenen über die Jahre relativ stabil geblieben ist, steigt der Anteil der Ledigen seit den 1990er Jahren kontinuierlich an – von 24 Prozent auf inzwischen 33 Prozent. Parallel dazu verschiebt sich das Durchschnittsalter bei der ersten Eheschließung nach oben: Frauen sind bei ihrer ersten Hochzeit mittlerweile im Schnitt 33 Jahre alt, Männer sogar über 35. Noch nie waren Brautpaare in Deutschland älter als heute.
Auch die Zahl der Eheschließungen hat ein Rekordtief erreicht. Die Einführung der „Ehe für alle“ im Jahr 2017 änderte wenig an diesem langfristigen Trend: Nur etwa drei Prozent der bestehenden Ehen sind gleichgeschlechtlich.
Warum heiraten immer weniger Menschen?
Die Gründe für diesen Wandel sind vielfältig. Aus psychologischer Sicht hat sich das Heiratsmotiv verändert. „Heute wird eher aus Überzeugung geheiratet und seltener aus gesellschaftlichem Druck“, betonen Experten. Zudem sei die Bereitschaft, eine Beziehung zu beenden, gestiegen. Oft werde die Hoffnung auf etwas Besseres zum Auslöser für eine Trennung – auch dann, wenn die Beziehung nicht vollständig gescheitert ist.
Trennung? Immer seltener – aber warum?
Obwohl die Zahl der Eheschließungen sinkt, entscheiden sich überraschend wenige Paare für eine Scheidung. Sozialökonomen nennen dafür vor allem praktische Gründe: Scheidungen sind bürokratisch, teuer und führen häufig zu finanziellen Einbußen. Der Weg zurück in ein unabhängiges Leben ist kompliziert und für viele abschreckend.
Verborgene Ehen und stille Absprachen
Ein Phänomen, über das kaum gesprochen wird, sind sogenannte "stille" Ehen. Viele Paare bleiben rechtlich verheiratet, leben jedoch faktisch nebeneinander her. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Steuerliche Vorteile spielen ebenso eine Rolle wie das Vermeiden aufwendiger Formalitäten. Da der Status „getrennt lebend“ steuerliche Konsequenzen hat, verzichten viele auf eine offizielle Trennung und finden eigene, unausgesprochene Arrangements.